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Colani und der 3D-Druck: “Revolution im stillen Kämmerlein”

Luigi Colani stellt auf der IFA in Berlin zusammen mit einem Elektrohändler einen eigenen 3D-Drucker vor. Der Star-Designer will helfen, die Technik in den Haushalten zu etablieren und wirbt für sein Produkt mit kernigen Sprüchen.

Zusammen mit dem Hersteller Pearl präsentierte Colani in Halle 8.2 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) im Berliner Congress Centrum den Drucker Colani FreeSculpt. Der Star-Designer, der international unter anderem wegen seiner ausgefallenen Auto- und Flugzeugentwürfen bekannt wurde, gibt dem Gerät nicht nur seinen Namen, sondern steuerte auch das Gehäuse-Design bei.

Das Gerät soll 2014 für unter 1000 Euro auf den Markt kommen und verarbeitet mit zwei Düsen neben ABS-Kunststoff auch ein wasserstoffbasiertes Filament. Somit sollen auch komplexe Ausdrucke möglich sein, bei denen eine Haltekonstruktion zur Stabilisierung während des Drucks nötig ist. Diese Haltekonstruktion auf Wasserstoffbasis kann nach dem Ausdruck im Wasserbad problemlos entfernt werden.

Mit einem zusätzlichen Software-Paket soll es zudem möglich sein, kleine und mittelgroße Objekte einzuscannen und anschließend ein Replikat mit dem Drucker herzustellen. Die CAD-Daten sollen vor dem Ausdruck mit einem mitgelieferten Programm bearbeitet werden können. Das Einscannen eines Objekts mit dem Gerät und dem Versenden der Daten an ein anderes Gerät soll ebenfalls machbar sein, einem so genannten 3D-Fax.

Technische Details wurden allerdings nicht verraten, “damit die Konkurrenz nicht kopiert”, so Colani mit einem Augenzwinkern. Und bis zum Markteintritt im nächsten Frühjahr würden zudem noch letzte technische Probleme behoben werden.

Weg vom Tüftler-Image

Pearl erhofft sich durch die Kooperation mit dem Designer, die in den kommenden Jahren noch intensiviert werden soll, eine gesteigerte Aufmerksamkeit für die eigenen Geräte. Und auch die übrige Branche wird davon profitieren, denn einen namhaften Unterstützer aus dem kreativen Umfeld können gerade die Hersteller von Home- und Office-Geräten derzeit gut gebrauchen.

Die Druckqualität lässt im unteren Preissegment noch Platz nach oben, weshalb die günstigen 3D-Drucker im Augenblick fast nur für Technik-Enthusiasten interessant sind, die sich eher für die Technik begeistern, als an hochwertigen Ausdrucken interessiert sind. Alle anderen wenden sich oftmals lieber an externe Anbieter, die hochwertige Geräte zur Verfügung haben. Der Colani-Drucker soll dieses nun ändern – und könnte durchaus das Zeug dazu haben.

Weitere Innovationen geplant

Colani war Ende der 1980er Jahre einer der ersten Designer, der einen Heimcomputer so gestaltete, dass das Gerät auch im Arbeits- oder Wohnzimmer eine gute Figur machte. Sein Entwurf für den Elektronikhändler Vobis sorgte damals für viel Aufmerksamkeit, auch außerhalb von Technikmärkten und Computerhändlern.

Den gleichen Ansatz verfolgt er jetzt bei Pearl. Die Geräte sollen weg vom Tüftler-Image und Einzug halten in möglichst viele Privathaushalte, um die Technik endgültig zu etablieren und die schon oft prophezeite dritte industrielle Revolution auch tatsächlich beginnen zu lassen. Der Colani-Drucker könnte seinen Teil zur “Revolution im stillen Kämmerlein” (Colani) durchaus beitragen, denn zwei wichtige Faktoren für den Massenmarkt bringt das Gerät mit: einen erschwinglichen Preis und ein ansprechendes Äußeres.

Künftig will Colani zusammen mit Pearl jedes Jahr eine weitere Innovation vorstellen. “Dann werden Köpfe rollen und Puppen auf den Gardinenstangen tanzen”, so der Designer. Vorher bleibt allerdings noch abzuwarten, ob die Versprechungen für das aktuelle Gerät gehalten werden können.

(lk – Text und Fotos)

Veröffentlicht am 06.09.2013 um 16:05