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Wie der 3D-Druck die Welt verändert – Die Kolumne von Petra Fastermann

3D-Druck – Revolution, „berechenbare Revolution“ oder nur Evolution?

Immer wieder wird 3D-Druck in den Medien mit der industriellen Revolution des späten 18. Jahrhunderts verglichen – insofern als Wirtschaft und Gesellschaft sich durch die Möglichkeit der Massenproduktion von Produkten grundlegend veränderten. 3D-Druck könnte dazu beitragen, eine neue industrielle Revolution einzuleiten, indem die Massenproduktion individualisiert wird.

Das Wort von der „Revolution“ im Zusammenhang mit 3D-Druck hört und liest man inzwischen überall. Manche halten das für übertrieben. In der SiemensWelt (Ausgabe Mai 2013) betiteln Florian Gersbach und Kerstin Schreiner einen Artikel über die Fabrik der Zukunft mit „Die berechenbare Revolution“. Manchmal wird mittlerweile statt von einer „Revolution“ von einigen schon verhalten als „Evolution“ gesprochen.

Handelt es sich bei 3D-Druck – gern genannt im Zusammenhang mit Industrie 4.0 – wirklich um eine Revolution oder ist die Bezeichnung zu viel Ehre für etwas, das vielleicht nicht viel mehr als eine technische Weiterentwicklung ist? „Revolution“ ist natürlich ein Schlagwort, aber wenn man ein zusammenfassendes und prägnantes Schlagwort nutzen möchte, trifft es meiner Einschätzung nach eher zu als „Evolution“.

Es gibt meiner Meinung nach zwei Gründe, die 3D-Druck zu einer Revolution machen: Der eine ist, dass jeder Einzelne Erfinder und Entwickler werden und seine Ideen unmittelbar umsetzen kann.

Ähnlich den Computern in den späten siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist 3D-Druck bisher nicht Mainstream. Während aber die Technologie stetig besser wird und gleichzeitig die Kosten dafür immer geringer, wird es für Privatpersonen zunehmend realistischer und attraktiver, sich einen eigenen 3D-Drucker zu kaufen. Der Preis für einen einfachen 3D-Drucker ist mittlerweile geringer als der für einen Laser-Drucker im Jahr 1985 – gemessen an der Kaufkraft. Das fördert die Bewegung der Macher, das Maker Movement, das ich in meinem letzten Buch beschrieben habe.

“Prosumenten” tragen zur Ent-Globalisierung bei

Der Zukunftsforscher Robert Gaßner vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) ist sogar der Ansicht, dass 3D-Druck den Welthandel verändern könnte. Dadurch, dass Konsumenten Produkte mittels 3D-Druck selbst herstellen, sei es möglich, dass zukünftig Produktionsprozesse in die jeweiligen Verbrauchsländer zurückkehren und sich eine Ent-Globalisierung entwickle. Gaßner nennt in diesem Zusammenhang den Begriff „Prosument“, der sich aus „Produzent“ und „Konsument“ zusammensetzt und den es in vielen Bereichen – wie zum Beispiel der Wikipedia, wo jeder eigene Artikel schreiben und einstellen kann – längst gebe. Im Bereich 3D-Druck könnte langfristig der Prosument zur Ent-Globalisierung beitragen.

Der zweite Grund dafür, dass ich überzeugt davon bin, dass 3D-Druck eine neue industrielle Revolution einleiten wird, sind die bahnbrechenden Entwicklungen, die dadurch in der Zukunft in der Industrie oder auch der Medizin hervorgebracht werden. Da steht die Umsetzung der Technologie im Moment noch fast am Anfang. Ihr Ausmaß und ihr Einfluss werden in der nächsten Zeit rapide zunehmen.

Der mögliche Einfluss, den 3D-Druck haben wird, wurde schon mit der Bedeutung verglichen, die der Wechsel vom Festnetz zum Mobilfunk hatte. Das wäre eine Evolution. Wenn das alles wäre.

Aber jeden Tag kommen neue Erfolgsmeldungen, zum Beispiel aus der Medizintechnik. Schottische Forscher gaben Anfang 2013 bekannt, dass sie schon mit embryonalen Stammzellen drucken.

Vollwertige Organe aus dem 3D-Drucker

Mit dem Verfahren kann menschliches Gewebe hergestellt werden, an dem neue Arzneimittel oder die Toxizität von Stoffen für den Menschen getestet werden sollen. In der Zukunft könnten damit auch Organe gedruckt werden: Die Forscher wollen das Verfahren so weiterentwickeln, dass es möglich wird, auf diese Art Organe herzustellen, die sich implantieren lassen. Wenn das in der Zukunft umsetzbar wäre – und es so gelingen würde, jedem, der sonst auf eine Organspende warten müsste, das benötigte, genau passende Organ zu drucken: Das wäre eine Revolution. Niemand weiß, wie lange es dauern wird, bis diese Technologie so weit ausgereift ist, dass sie für die breite Anwendung zugelassen sein wird. Allein dass die Möglichkeit besteht, übersteigt alles, was noch vor wenigen Jahren realistisch vorstellbar gewesen wäre.

Und nicht zuletzt: Der Italiener Enrico Dini, der als der Erfinder des gegenwärtig größten 3D-Druckers namens D-Shape gilt, denkt derzeit sogar schon daran, in Zusammenarbeit mit der NASA Gebäude auf dem Mond zu drucken.

Die European Space Agency (ESA) arbeitet ebenfalls an 3D-Druck auf dem Mond. Geplant ist eine ganze Mondstation – unter Mitwirkung von Sir Norman Foster, des britischen Architekten, der unter anderem die gläserne Kuppel auf dem Reichstagsgebäude in Berlin entworfen hat.

Brauchen wir das? Muss auf dem Mond 3D-gedruckt werden? Das ist eine Frage, die ich hier gar nicht zur Diskussion stellen möchte, weil sie den Rahmen eines kleinen Beitrags für eine Kolumne sprengen würde. Aber wenn nicht das ernsthaft erwogene und sich schon in Planung befindende, mit ersten Versuchen als möglich bestätigte 3D-Drucken auf dem Mond revolutionär ist: Was muss eine Technologie dann noch leisten können, um als Teil einer industriellen Revolution zu gelten?


Petra Fastermann gründete 2010 in Düsseldorf die Firma Fasterpoly GmbH, welche 3D-Druck als Dienstleistung anbietet und außerdem selbst entwickelte Produkte unter der Marke Fasterpoly vertreibt. Im November 2011 wurde Petra Fastermann für ihr Start-up-Unternehmen mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.

Im Juli 2012 veröffentlichte sie im Springer-Verlag ein Fachbuch zu 3D-Druck/Rapid Prototyping. Noch im selben Winter veröffentlichte sie mit “Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement” ein weiteres Buch zum Thema. Außerdem gibt es von der Autorin einige Bücher im Bereich Belletristik.