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Lässt sich mit 3D-Druck Geld verdienen?

Ich habe zum einen schon viel über 3D-Druck geschrieben und zum anderen selbst im Jahr 2010 ein Unternehmen als Dienstleister für 3D-Druck/Rapid Prototyping gegründet. Deshalb werde ich manchmal von Existenzgründern, die sich auch im Bereich 3D-Druck/Rapid Prototyping selbständig machen möchten, nach meiner Meinung dazu gefragt, ob und wie sich damit am besten und vor allem am wahrscheinlichsten zu Geld kommen lässt.

3D-Druck ist eine Zukunftstechnologie und außerdem eine Wachstumsbranche. Das legt die Vermutung nahe, dass Geld damit zu verdienen ist, wenn man es “richtig anfängt” – und sicher ist, dass einige Unternehmen bereits jetzt damit eine Menge Geld verdienen und noch verdienen werden.

Ich glaube jedoch, dass mittlerweile die meisten lukrativen Geschäftsideen zu 3D-Druck schon auf irgendeine Art umgesetzt worden sind, wenn auch nicht flächendeckend. Dass zum Beispiel ein Unternehmen in Schweden Hochzeitspaare druckt und in Japan schon seit mehreren Jahren Action-Helden mit dem eigenen Gesicht mittels 3D-Druck produziert werden, heißt ja nicht, dass damit der ganze vorhandene Markt bereits abgeschöpft und bedient ist. Mit geschickter Vermarktung und einer winzigen Veränderung im Konzept gibt es möglicherweise noch viel mehr Potenzial dafür. Ob und wie lange solche Ideen funktionieren, kann niemand vorhersagen. Insbesondere bei dieser sich rasant entwickelnden und verändernden Branche ist der Bedarf möglicherweise schneller gedeckt als erwartet – und es muss wieder etwas Neues her. Ergibt sich diese negative Entwicklung für Unternehmer, die gerade viel investiert haben, früher als vorhersehbar, können neu gegründete Unternehmen schnell vor dem Aus stehen.

Ich glaube, dass kaum jemand im Bereich 3D-Druck – wie auch in anderen Bereichen der Hochtechnologie – dauerhaft mit der gleichen Sache gutes Geld verdienen kann. Unternehmer müssen sich stets etwas Neues einfallen lassen, sich ständig weiterentwickeln und auch in neues Equipment investieren. Einige wenige, die zuerst eine gute Idee umsetzen, werden sehr schnell eine Menge Geld verdienen.

Innovation und Investition

Meine persönliche Meinung ist, dass Start-ups, die etwas Individualisiertes im Zusammenhang mit 3D-Druck anbieten, gegenwärtig bessere Aussicht auf schnelles Wachstum haben als solche, die ein weiteres Unternehmen mit klassischen Rapid-Prototyping-Anwendungen gründen. Es gibt inzwischen sehr viele Anbieter für 3D-Druck, so dass meine Einschätzung ist, dass ein neues Unternehmen sich nur über einen für den Kunden “attraktiven Preis” noch einen Markteintritt verschaffen kann. Durch immer mehr Anbieter auf dem Markt der Dienstleister für 3D-Druck wird der Preisdruck größer.

“Reich wird man damit nicht”, hat mir vor einiger Zeit ein 3D-Druck-Dienstleister erzählt, der schon länger im Geschäft ist als ich. Die Margen sind kleiner als man denkt, weil die Industriemaschinen teuer sind. Hinzu kommt, dass man bei einer erforderlichen größeren Reparatur an einer solchen Rapid-Prototyping-Anlage, die nur durch einen Experten ausgeführt werden kann, durchaus erwarten kann, einen vierstelligen Betrag dafür zu bezahlen.

Ich denke, es könnte mit 3D-Druck kommen wie um die Jahrtausendwende mit der New Economy: Kurze Zeit eine Goldgräberstimmung, einige werden sehr schnell sehr viel Geld damit verdienen. Weil sie gerade zur richtigen Zeit eine Idee hatten, die auf dem Markt Erfolg hatte – und diese umgesetzt haben, bevor es jemand anderem einfiel. Dann werden viele solide Gründer und Unternehmer am Markt bleiben und auch weiter wachsen. Nur: Als Neugründer große Investitionen zu tätigen, um sich einen oder sogar mehrere 3D-Drucker in die Firma zu stellen und zu versuchen, als Dienstleister für 3D-Druck mit ganz normaler Herstellung von Prototypen einen guten Schnitt zu machen – diese Anfangsphase ist meiner Einschätzung nach vorbei. Da müsste etwas Zusätzliches als Alleinstellungsmerkmal hinzukommen. Etwas Neues in Verbindung mit 3D-Druck, was bisher noch kein anderer anbietet. Ich bin sicher, dass es das gibt und dass – während ich dies noch schreibe – die ersten Ideen schon wieder umgesetzt werden.


Petra Fastermann gründete 2010 in Düsseldorf die Firma Fasterpoly GmbH, welche 3D-Druck als Dienstleistung anbietet und außerdem selbst entwickelte Produkte unter der Marke Fasterpoly vertreibt. Im November 2011 wurde Petra Fastermann für ihr Start-up-Unternehmen mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.

Im Juli 2012 veröffentlichte sie im Springer-Verlag ein Fachbuch zu 3D-Druck/Rapid Prototyping. Noch im selben Winter veröffentlichte sie mit “Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement” ein weiteres Buch zum Thema. Außerdem gibt es von der Autorin einige Bücher im Bereich Belletristik.