SilverFast PrinTao - Professionelle Drucker Software

Summer School im Creative Lab der Hochschule Luzern

Ende August 2013 war ich an der Summer School der Hochschule Luzern eingeladen, um etwas über das Selbstmachen, 3D-Druck, Open Source und Crowdfunding zu erzählen.

Rund 50 Studenten aller Fachrichtungen nutzten das Angebot, eine Woche im Creative Lab an den Sessions, die von verschiedensten Beitragenden zum Thema “Live to work – work to live” angeboten wurden, teilzunehmen – und diese mitzugestalten. Oder selbst spontan etwas anzubieten. Das Konzept war “Unconferencing”, das heißt, die Themen sind grob vorgegeben, die Zeiten auch – damit es einen Rahmen gibt. Mittels Domain Mapping wurden diese Rahmenthemen im Lauf des Lab ständig erweitert oder abgewandelt. Dass PowerPoint-Präsentationen und “Frontalunterricht” verboten waren, war zuvor allen Eingeladenen mitgeteilt worden. Ziel war es, dass die Beiträge mehr offene Diskussion als Vortrag sein sollten. Die Studierenden sollten Gelegenheit haben, selbst mitzugestalten – sei es durch thematische Inputs oder durch interaktive Workshops. Anfangs war ich etwas skeptisch, wie überhaupt etwas geordnet laufen soll, wenn nur eine Art Rahmenplan vorliegt. Und ob die Studenten nicht schon zu sehr an Vorträge gewöhnt sind und es gar keine offene Diskussion gibt, die sich schließlich auch nicht erzwingen lässt.

Die außergewöhnliche Location – ein in den sechziger Jahren gebautes Hallenbad, das seit ein paar Jahren nicht mehr genutzt wird und jetzt zur Zwischennutzung freigegeben war – trug sicher zur konstruktiven Atmosphäre bei. Während noch Glas in Türen gesetzt und Wände verputzt wurden, fanden überwiegend im schon fertig ausgebauten ehemaligen Kinderschwimmbecken die Sessions statt.

Selbermachen statt “Frontalunterricht”

Weil keine klassische PowerPoint-Präsentation erwünscht war, hatte ich Verschiedenes vorbereitet, über das ich – ganz nach Bedarf – hätte erzählen können. Die Studenten interessierten sich für eine Einführung in das Thema 3D-Druck, und da ich einige Modelle mitgebracht hatte, konnte ich verschiedene Verfahren zeigen und erläutern. Die Hälfte der Session wollten die Teilnehmer jedoch dazu nutzen, um selbst etwas zu machen: Musikinstrumente bauen. Zwei Musiker hatten vorbereitet, in der Gruppe sowohl eine Geige als auch eine Posaune aus Müll zu bauen. Zuvor zeigten sie einen kurzen Film von einer Band in Lateinamerika, die genau dies schon tut. In der Schweiz war es schwierig, an den erforderlichen Müll zu kommen, so dass einige Teile zugekauft werden mussten. Das Mundstück für die Posaune war zuvor mit einem Modell von der Plattform Thingiverse 3D-gedruckt worden. Innerhalb einer Stunde hatten die Gruppe um den Geiger und den Posaunisten Prototypen von Musikinstrumenten aus Müll zusammengebaut. Auf der sehr schnell aus Plastikrohren entstandenen Posaune ließen sich gut erkennbar sofort die Tonleiter spielen. Der Geigenbau war etwas aufwendiger und dauerte länger.

Nebenher wurden auch noch mit Siebdruck T-Shirts bedruckt, es wurde Bier gebraut (das jedoch noch gären muss und deshalb erst in etwa einem Monat zu trinken sein wird), es wurden echte und vegetarische Würste für den späteren Verzehr gestopft und es wurde mit dem Drucker des Luzerner FabLabs 3D-gedruckt.

Das Konzept des Unconferencing hat mich in Luzern überzeugt. Ich habe nie jemanden gesehen, der sich langweilte. Es wurde so viel angeboten, dass jeder etwas finden konnte, das ihn oder sie interessierte. Und auch Vorträge konnten in die Richtung gelenkt werden, welche die Teilnehmer interessierte – das wäre natürlich nicht so leicht möglich, wenn vor einem großen Publikum von 100 Zuhörern gesprochen würde. Da wird doch nach wie vor in der Regel auf die traditionelle PowerPoint-Präsentation zurückgegriffen werden.


Petra Fastermann gründete 2010 in Düsseldorf die Firma Fasterpoly GmbH, welche 3D-Druck als Dienstleistung anbietet und außerdem selbst entwickelte Produkte unter der Marke Fasterpoly vertreibt. Im November 2011 wurde Petra Fastermann für ihr Start-up-Unternehmen mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.

Im Juli 2012 veröffentlichte sie im Springer-Verlag ein Fachbuch zu 3D-Druck/Rapid Prototyping. Noch im selben Winter veröffentlichte sie mit “Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement” ein weiteres Buch zum Thema. Außerdem gibt es von der Autorin einige Bücher im Bereich Belletristik.