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Wie der 3D-Druck die Welt verändert – Die Kolumne von Petra Fastermann

Eintritt in eine faszinierende Welt

Aus der Praxis in die Theorie: Zwei Jahre bevor ich mein erstes Buch über 3D-Druck/Rapid Prototyping veröffentlichte, hatte ich mich mit einem kleinen 3D-Druck-Unternehmen selbständig gemacht. Schon direkt nach dem Start des Unternehmens beschäftigte ich mich so intensiv mit dem Thema und den neu gewonnenen Erkenntnissen, dass ich diese Zukunftstechnologie gern einem größeren Publikum vorstellen wollte. Nahezu jeder hat inzwischen schon einmal von 3D-Druck gehört. Immer mehr Privatleute beschäftigen sich damit und werden so zu Machern: 3D-Druck ermöglicht es jedem Einzelnen, selbst Designer, Konstrukteur oder Erfinder und zugleich Hersteller und Verkäufer zu werden, ohne ein großes finanzielles Risiko einzugehen. Diese Erfahrung hatte ich bereits gemacht: Ich hatte eine professionelle 3D-Druck-Anlage erworben, weil ich Modelle in so hoher Qualität herstellen wollte, dass ich sie weiterverkaufen konnte.

Über Bekannte erfuhr ich vom Düsseldorfer FabLab, dem GarageLab: Nicht weit von meinem Büro war eine offene Werkstatt gegründet worden, in welcher jeder, der gegen einen kleinen Beitrag Mitglied wurde, auf einem einfachen 3D-Drucker drucken konnte. Auf einem Open-Source-3D-Drucker, der keine professionelle 3D-Druck-Anlage war. Aber auch dieser Open-Source-Drucker produzierte Prototypen. Im FabLab fand ein reger Austausch statt. Hier trafen sich Tüftler, Bastler, Künstler, Designer oder Modellbauer. Jeder Einzelne von ihnen war ein kreativer Entwickler, der eine Idee hatte und diese in einer anregenden und innovativen Gemeinschaft von Machern umsetzen wollte.

“So wurden wir zu Machern”

Schließlich gab es noch etwas, das mich auf die Idee brachte, ein Buch für Macher zu schreiben: Mein Freund und ich haben zusammen ein Jugendstilhaus gekauft, das wir innen komplett entkernen mussten. In seinem ursprünglichen Stil wollten wir es wiederherstellen. Um das zu tun, hätten wir den Jugendstil-Stuck sicher bei einem Unternehmen maßanfertigen und produzieren lassen können. Aber wir wollten alles Stück für Stück entstehen sehen und während des Gestaltens wieder und wieder Änderungen vornehmen. Am Ende sollte alles genau passen und genau unseren Vorstellungen entsprechen – die sich jedoch im Prozess des Machens ändern konnten. Und so lag der Gedanke nah, den Stuck selbst herzustellen. Mein Freund begann, aus Gips neuen Stuck für unser Jugendstilhaus zu produzieren. So wurden wir zu Machern.

Im letzten Quartal 2012 kam das Buch von Chris Anderson Makers: The New Industrial Revolution auf Englisch heraus. Ich kaufte es mir und las es innerhalb kürzester Zeit. Gleichzeitig verfestigte sich mein Gedanke, dass auch ich unbedingt meinen Plan, ein Buch über die Macher-Bewegung zu schreiben, umsetzen wollte. Weil noch nicht genug darüber geschrieben worden, weil diese Bewegung noch längst nicht genügend gewürdigt und anerkannt worden ist, ihr bisher in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit zuteil wurde, die sie verdient. Und weil die Bewegung der Macher sich ständig weiterentwickelt.

So entstand das Buch Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement. Ich habe dieses Buch für Macher und alle, die es werden wollen, geschrieben. Einerseits beschreibt es das Selbstmachen als Teil der dritten industriellen Revolution. Andererseits soll es Kreativen helfen, noch mehr Mittel und Wege zu finden, ihre Ideen umzusetzen. Das Maker Movement – die Bewegung der Macher – wird als Treiber der Weiterentwicklung der Revolution durch Zukunftstechnologien erklärt. Das sind Herstellungsmethoden wie zum Beispiel 3D-Druck, die inzwischen jedem zugänglich sind.

Treiber einer neuen industriellen Revolution?

Was ist es, das die Macher von heute kennzeichnet? Wo liegt der Unterschied zum traditionellen und herkömmlichen do it yourself? Selbst früher in Schulen erteilter Handarbeitsunterricht hätte doch – allein vom Selbstmachen ausgehend – eine Art Maker-Anspruch gehabt? Was ist das Neue an der Bewegung der Makers, und darf von einer “Bewegung” oder gar von Machern als Treibern einer neuen industriellen Revolution gesprochen werden? Diese Fragen soll das Buch beantworten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Bewegung der Macher in Deutschland.

Zusätzlich gehe ich auf mögliche Methoden der Finanzierung für Maker-Projekte – beispielsweise Crowdfunding – und moderne Formen der Zusammenarbeit wie Crowdsourcing und Open Source ein. FabLabs, Hackspaces, Coworking: Wo lässt sich etwas lernen, wie kann jeder Macher/jede Macherin Synergien nutzen? Das Buch soll sowohl als Ratgeber dienen als auch als Handbuch inspirieren. Ich habe es in intensiver Arbeit in kürzester Zeit geschrieben, weil es brandaktuell zu einem brandaktuellen Thema erscheinen sollte.

Und nicht zuletzt: Alles an diesem Werk für Macher ist selbst gemacht. Deshalb habe ich diese neue Buch von vornherein gar keinem Verlag angeboten, sondern es direkt als PDF an einen Verlag für Macher geschickt, in welchem jeder veröffentlichen kann. Um das Buch für Makers so schnell wie möglich den Leserinnen und Lesern anbieten zu können, habe ich es im Book-on-Demand-Verfahren produzieren lassen. Wie jeder sein eigenes Buch machen kann, erkläre ich übrigens auch.

So hoffe ich, dass sich möglichst viele Leser zum Selbstmachen inspirieren lassen werden. Wenn man erst einen Anfang gefunden hat, ist der Weg zum 3D-gedruckten Modell nicht mehr weit.


Petra Fastermann gründete 2010 in Düsseldorf die Firma Fasterpoly GmbH, welche 3D-Druck als Dienstleistung anbietet und außerdem selbst entwickelte Produkte unter der Marke Fasterpoly vertreibt. Im November 2011 wurde Petra Fastermann für ihr Start-up-Unternehmen mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.

Im Juli 2012 veröffentlichte sie im Springer-Verlag ein Fachbuch zu 3D-Druck/Rapid Prototyping. Noch im selben Winter veröffentlichte sie mit “Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement” ein weiteres Buch zum Thema. Außerdem gibt es von der Autorin einige Bücher im Bereich Belletristik.