SilverFast PrinTao - Professionelle Drucker Software

Wie der 3D-Druck die Welt verändert – Die Kolumne von Petra Fastermann (# 12)

Jeder kann Entwickler werden – 3D-Druck als Massenphänomen

Mit vor einigen Jahren kaum vorstellbaren Tools versehen, können Privatpersonen mit guten Einfällen sogar etablierten Unternehmen Konkurrenz machen. Mit der Möglichkeit zahlreicher 3D-Druck-Verfahren kann jeder Entwickler oder Designer sowohl die Qualität als auch den Preis seines Produkts selbst festlegen. Von dieser Möglichkeit wird beispielsweise von Schmuckdesignern gern Gebrauch gemacht. Das Anbieten und Verkaufen wird durch die gesamte Vernetzung im Internet enorm erleichtert. Online-Plattformen, soziale Netzwerke und Foren haben einen großen Anteil daran, dass Privatpersonen als Hersteller Erfolg haben können. Erreicht ein Designer mit seinen Objekten ein gewisses Publikum, beispielsweise auf Facebook, so kann der Absatz seiner Produkte sehr schnell ansteigen. Umgekehrt kann dieser Erfolg auch schnell wieder ein Ende finden, wenn die Community sich einem neuen Trend zuwendet.

Die neuen Möglichkeiten beflügeln den Ehrgeiz. So ist es oft nur ein kleiner Schritt, bis ein Entwickler oder Designer zum Unternehmer wird. Durch 3D-Druck werden frühere Hemmnisse für die eigene Herstellung reduziert. Statt ein Geschäft zu eröffnen und auf Laufkundschaft zu warten, steht dem Designer auf Plattformen wie Etsy oder Shapeways die ganze Welt offen. Private Entwickler, welche die Funktionsfähigkeit oder das Aussehen ihrer Objekte überprüfen wollen, müssen keine großen finanziellen Investitionen mehr tätigen. Durch die Just-in-Time Produktion entfällt für Privatpersonen das Risiko, auf nicht abgesetzter Ware sitzen zu bleiben oder eine hohe Kapitalbindung zu haben. Hinzu kommt, dass Home-User-3D-Drucker dafür sorgen, dass sich 3D-Druck zum Massenphänomen entwickelt. Viele Entwickler produzieren auf ihren eigenen Maschinen – manchmal auch nur erste Muster, um die hochwertigere Ausführung, zum Beispiel aus vergoldeten Metallen, später bei einem Dienstleister in Serie zu fertigen.

3D-Druck-Dienstleister konkurrieren mit immer besserem Angebot

Mittlerweile gibt es zahlreiche 3D-Druck-Dienstleister mit direktem Datei-Upload und angeschlossenem Shopsystem auf dem Markt – sowohl im In- als auch im Ausland. Mehr und mehr der Dienstleister haben auch den Privatkundenmarkt im Blick. Unabhängig davon, ob Shapeways in den Niederlanden, i.materialise in Belgien oder Rapid Object in Leipzig: Die Lieferzeiten, das Angebot an Produktionsverfahren und die Vernetzung mit der Internet-Community konkurrieren miteinander.

Ein wachsender Wettbewerb unter den 3D-Druck-Dienstleistern verschafft Privatkunden nahezu monatlich attraktiver werdende Angebote: sinkende Preise, kurze Lieferzeiten, viele verschiedene Technologien und die sich ständig verbessernde Qualität und Auflösung der gedruckten Objekte. Zudem gibt es bei den 3D-Druck-Dienstleistern eine immer größer werdende Auswahl an Bau-Materialien. Die Plattformen der Dienstleister werden für Anwender zunehmend bedienerfreundlicher – zum Beispiel durch die Möglichkeit des Datei-Uploads oder sogar das Angebot, Dateien direkt aus gängigen CAD-Programmen zu exportieren statt STL-Dateien zu liefern. Außerdem werden die Lieferzeiten der 3D-Druck-Dienstleister immer kürzer, üblich sind im Endkundenmarkt Lieferzeiten von 7 bis 21 Tagen.

Tauschbörsen schaffen einen neuen Markt

Im Juni 2013 wurde bekannt, dass auf der Tauschplattform Thingiverse bereits 100.000 Modelle eingestellt worden sind. Zum gleichen Zeitpunkt gab es auf der Plattform mehr als 28.000 Modelle zum kostenlosen Download. Viele 3D-Druck-Dienstleister – zum Beispiel Shapeways, Sculpteo oder i.materialise – haben ihre eigenen Tauschplattformen. So ist es möglich, dass ein Designer nicht nur sein Objekt, sondern auch die STL-Datei zum Download anbieten kann. Zusätzlich attraktiv werden die Plattformen durch die ihnen angeschlossenen Shops, in denen Designer und Kleinserienhersteller die von ihnen entwickelten Objekte zum Kauf anbieten können.

Privatpersonen als Konkurrenz zu Unternehmen?

3D-Druck auf einfachen FDM-Maschinen macht es Entwicklern inzwischen sehr leicht, Kunden die unterschiedlichsten selbst produzierten Prototypen vorzustellen. Die Marktanalyse wird auch für Privatanbieter durch die preisgünstige Möglichkeit, Nullserien mit 3D-Druck herzustellen, immer einfacher.

Insbesondere im Bereich Modellbau nimmt die Produktion von Kleinserien kontinuierlich zu. Die in den Kleinserien hergestellten Objekte werden als Endprodukte verkauft. Dies geschieht oft innerhalb von Internetforen, wo ein Bedarf an einem Produkt unmittelbar von den potenziellen Kunden geäußert wird. Durch die direkte Rückkopplung zwischen Entwickler und vielen Anwendern entstehen so in sehr kurzer Zeit Produkte ganz ohne das sonst notwendige Marketing. Oft werden so Stückzahlen im 100er-Bereich, in Einzelfällen deutlich darüber, abgesetzt.

Eisenbahnmodellbau als schrumpfender Markt

Der Eisenbahnmodellbau ist ein schrumpfender Markt, weil sich immer weniger junge Leute dafür begeistern und gleichzeitig die Anschaffungskosten dieser ehemaligen Kinderspielzeuge stark gestiegen sind. Der typische Modellbahner ist heute über 40 Jahre alt und investiert monatlich durchschnittlich 200 EUR in sein Hobby.

Das führt dazu, dass Modell-Lokomotiven teilweise eine geringere Auflage als 500 Stück erreichen und trotzdem noch lukrativ zu fertigen sind. Der klassische Spritzguss wurde aus Kostengründen mittlerweile fast vollständig nach Fernost verlagert. Daraus kann sich für die traditionellen Hersteller ein Problem ergeben, wenn die Nachfrage nach bestimmten Modellen hoch ist: Bei guter Konjunkturlage gibt es bei den Auftragsfertigern nur wenige Fertigungs-Slots. Erfolgsmodelle sind aus diesem Grund schnell ausverkauft, was bei den passionierten Sammlern zu großer Enttäuschung führen kann – das heißt, wenn die erste Charge sofort verkauft und Nachschub erst nach einem halben Jahr verfügbar ist.

Marktentwicklung beim Eisenbahnmodellbau

Weil traditionelle Produkt-Anbieter den Kunden-Ansprüchen nicht mehr genügen, gehen mehr und mehr Modellbauer dazu über, sich ihre Modelle selbst zu konstruieren, um nicht länger auf bestimmte Modelle warten zu müssen.

Zudem steigen die Ansprüche von Sammlern nach ausgefallenen Modellen: Das macht die Recherche für traditionelle Anbieter kostenaufwendiger. Als Folge strömen semiprofessionelle Anwender – also Kleinserienhersteller – mit selbst gedruckten 3D-Modellen auf den Markt. Oft entsteht der Kundenwunsch in Communitys, wird dann von einem semiprofessionellen Anbieter aufgenommen und in enger Abstimmung mit den Kunden realisiert. Die Kunden übernehmen dabei selbst einen guten Teil der Recherchearbeit.

Produktpiraterie und Urheberrecht

Wie bereits in der Musikindustrie, kann sich schnell Produktpiraterie gegen das geistige Eigentum der Entwickler von 3D-CAD-Modellen entwickeln. Das wird durch die sich verbreitende Möglichkeit des 3D-Scannens zusätzlich erleichtert.

Der Datendiebstahl von 3D-CAD-Modellen kann traditionellen Herstellern einen großen wirtschaftlichen Schaden zufügen. Insgesamt wird die Frage des Urheberrechts mit der Verbreitung von 3D-Druck immer dringender werden. Die Frage, inwieweit die Dienstleister dabei in Anspruch genommen werden können, ist bisher noch nicht abschließend geklärt.

Wie können 3D-Druck-Dienstleister auf den veränderten Markt reagieren?

3D-Druck-Dienstleister müssen Lösungen finden, um auf den veränderten Markt zu reagieren. Eine Möglichkeit, um in das Massengeschäft einzusteigen, ist die Einrichtung von Upload-Portalen. Denn gerade für die preissensiblen Privatkunden sollte keine aufwendige Angebotskalkulation erfolgen. Gleichzeitig können diese Portale die Aufgabe erfüllen, im Stil von FAQs die dringendsten Fragen zu beantworten, die sich Privatkunden stellen. Wichtig ist außerdem aus Sicht der neuen Kundenschichten, dass der Preis für die hochgeladenen Daten automatisch und unverzüglich kalkuliert wird. Ebenso ist es aus meiner Sicht bedeutend, dass 3D-Druck-Dienstleister einen Marktplatz bereitstellen – eine Art Community, die sich untereinander auf der Dienstleister-Plattform austauschen kann. Dies kann im Rahmen von Facebook oder Foren geschehen, wobei der Betreuungsaufwand für die Kundenkommunikation nicht unterschätzt werden sollte.

Welche Chancen bieten sich 3D-Druck-Dienstleistern?

3D-Druck-Dienstleistern bietet sich ein großer, ständig wachsender internationaler Privatkunden-Markt. Online-Plattformen schaffen hier neue Absatzmärkte. Ein sehr großer Vorteil durch das Einrichten von Online-Uploads für Dienstleister ist auch die gesparte Arbeitszeit: Durch den Einsatz standardisierter Upload-Verfahren wird kaum Personal benötigt, ganz im Gegensatz zum individuellen Einzelangebot. Nicht zu unterschätzen ist das Umsatzpotenzial von Privatkunden auch unter dem Gesichtspunkt, dass sie einerseits kaum Termindruck erzeugen, andererseits mit ihren kleinen Aufträgen zu einer gleichmäßigeren Anlagenauslastung beitragen.

Welche Risiken birgt der veränderte Markt für 3D-Druck-Dienstleister?

Mit dem Eintritt in den Endkunden-/Privatkundenmarkt ergeben sich für 3D-Druck-Dienstleister neue Risiken: So zum Beispiel bei Gewährleistungspflichten und in Bezug auf das Rückgaberecht im Zusammenhang mit Shopsystemen. Zudem haben Privatkunden in der Regel andere Bedürfnisse als Industriekunden. Es ist zu erwarten, dass sie eine zeitaufwendigere Kommunikation erzeugen als Industriekunden, zum Beispiel durch hohen Beratungsbedarf und intensives Nachfragen in Details auf Grund dessen, dass sie häufig nichtprofessionelle CAD-Software verwenden. Ein weiterer Nachteil ist die meist sehr hohe Preissensitivität seitens der Privatkunden. Zeitaufwendig kann auch der hohe Bedarf an Know-how-Transfer werden, der mit einem immer größeren Markt von Kunden mit manchmal geringen Vorkenntnissen zum 3D-Druck entsteht. Als Beispiel dafür: Es werden im Anhang an eine E-Mail Fotos beigefügt – mit dem Wunsch, die darauf abgebildeten Objekte dreidimensional ausgedruckt zu bekommen.


Petra Fastermann gründete 2010 in Düsseldorf die Firma Fasterpoly GmbH, welche 3D-Druck als Dienstleistung anbietet und außerdem selbst entwickelte Produkte unter der Marke Fasterpoly vertreibt. Im November 2011 wurde Petra Fastermann für ihr Start-up-Unternehmen mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.

Im Juli 2012 veröffentlichte sie im Springer-Verlag ein Fachbuch zu 3D-Druck/Rapid Prototyping. Noch im selben Winter veröffentlichte sie mit “Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement” ein weiteres Buch zum Thema. Ebenfalls bei Springer erschien 2014 das Buch “3D-Drucken”, eine leicht verständliche Erklärung der Technologie. Außerdem gibt es von der Autorin einige Bücher im Bereich Belletristik.

Veröffentlicht am 03.02.2014 um 10:51