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Wie der 3D-Druck die Welt verändert – Die Kolumne von Petra Fastermann (# 3)

Adrian Bowyer und die RepRap-Bewegung: “Wohlstand ohne Geld”

Der Drucker mit dem Namen RepRap war der erste 3D-Drucker, der sich selbst repliziert und außerdem als erster Open-Source-3D-Drucker bekannt wurde. Der RepRap ist in der Lage, die Kunststoffteile, welche zu seinem Bau erforderlich sind, selbst zu produzieren. Deswegen sein Name: Replicating Rapid Prototyper – RepRap –, der sich selbst replizieren, also vervielfältigen kann. Dadurch, dass die Baupläne für den 3D-Drucker ebenso wie die erforderliche Software als Open Source zur Verfügung stehen, ist es jedem gestattet, ihn nachzubauen oder weiterzuentwickeln.

Besonders sympathisch wirkt die Grundidee, aus welcher der RepRap-Drucker entstand. Adrian Bowyer, Ingenieur und Mathematiker, lehrte 2004 Maschinenbau an der Universität Bath, als er das Manifest „Wealth without money“ (Wohlstand ohne Geld) veröffentlichte. Grundgedanke dieses Aufsatzes ist es, dass Geld an sich keinen Wert habe und nur ein Mittel zum Zweck sei. Geld ermögliche jedem, der darüber verfüge, das zu erwerben, was andere produziert haben. Wenn nun jeder Einzelne Zugang zu einem Drucker wie dem RepRap hätte, könnte er das, was er braucht, selbst herstellen. So würde Geld überflüssig. Wohlstand – in dem Sinne, dass alles, was der Einzelne zu einem Leben benötigt, ihm zur Verfügung stünde – wäre sogar für diejenigen erreichbar, die gar kein Geld besäßen. Ziel wäre es, die Menschen von der Industrie unabhängig zu machen. Weil sie all das, was gegenwärtig noch aus den großen Fabriken kommt, selbst herstellen könnten.

Viele neue Drucker dieser Art, schon fertig montiert oder zum Selbstbau, folgten. Mit RepRaps werden inzwischen ganze Musikinstrumente gedruckt, und es wird auch damit experimentiert, Blutgefäße mit Hilfe von RepRaps zu drucken.

RepRaps finden sich häufig in FabLabs oder Hackerspaces. Bei FabLabs und Hackerspaces handelt es sich um offene Werkstätten, in welchen Mitgliedern Industriemaschinen für die professionelle Produktion zur Verfügung gestellt werden.

Demokratisierung der Produktion

FabLabs sind Hightech-Werkstätten für die Produktion, in welchen zumeist ein reger Austausch von Wissen und Know-how unter Kreativen, Bastlern sowie auch Ingenieuren oder Konstrukteuren stattfindet. Das Wort FabLab steht dabei als Abkürzung für Fabrication Laboratory – Fabrikationslabor. Zutritt hat jeder, der möchte, aber Kreative, Bastler und Ingenieure stellen in den Industrieländern sicherlich die größte Anzahl von Interessenten, die das Angebot von FabLabs in Anspruch nehmen. Das meiner Einschätzung nach wichtigste Ziel der FabLabs ist die Demokratisierung der Produktion – das wird dadurch erreicht, dass jeder, der etwas herstellen möchte, gegen einen kleinen Beitrag Mitglied werden kann. Denn die FabLabs sind zumeist als gemeinnützige Vereine organisiert. So haben Privatpersonen Gelegenheit, in offenen Werkstätten industrielle Produktionsverfahren kennen zu lernen und – zunächst unter erläuternder Anleitung und im Anschluss daran selbständig – zu nutzen. Zusätzlich finden in vielen FabLabs Workshops und Seminare statt. FabLabs sind damit Orte der Bildung und Wissensvermittlung.

Die Idee der FabLabs kommt ursprünglich aus den USA, wo im Jahr 2002 der Physiker und Informatiker Neil Gershenfeld am MediaLab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) das erste FabLab der Welt gründete. Seit 2002 sind in der ganzen Welt zahlreiche FabLabs entstanden, auch in Afrika oder Asien. Gerade in Afrika und Asien haben FabLabs zusätzlich eine hohe Bedeutung dadurch, dass sie Nutzern dabei helfen können, lokale Probleme zu lösen: Sie ermöglichen den Nutzern Zugang zu sowohl Produktionstechnologien als auch Produktionswissen, das in vielen Regionen Afrikas und Asiens auf andere Art manchmal schwer zu erlangen wäre.


Petra Fastermann gründete 2010 in Düsseldorf die Firma Fasterpoly GmbH, welche 3D-Druck als Dienstleistung anbietet und außerdem selbst entwickelte Produkte unter der Marke Fasterpoly vertreibt. Im November 2011 wurde Petra Fastermann für ihr Start-up-Unternehmen mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.

Im Juli 2012 veröffentlichte sie im Springer-Verlag ein Fachbuch zu 3D-Druck/Rapid Prototyping. Noch im selben Winter veröffentlichte sie mit “Die Macher der dritten industriellen Revolution: Das Maker Movement” ein weiteres Buch zum Thema. Außerdem gibt es von der Autorin einige Bücher im Bereich Belletristik.

Veröffentlicht am 17.04.2013 um 8:18